Victory Vision – Fahrbericht

16.06.2009  |  Text und Bilder: Horst Rösler   |  
Victory Vision – Fahrbericht Victory Vision – Fahrbericht Victory Vision – Fahrbericht Victory Vision – Fahrbericht Victory Vision – Fahrbericht
Victory Vision – Fahrbericht
Alle Bilder »
Bereits im August 2007 kam die Victory Vision auf den Markt, jedoch nicht 
auf den deutschen. Ab Ende Oktober wird die Vision auch hierzulande endlich Wirklichkeit, denn dann wird sie gemeinsam mit vier weiteren Cruiser-Modellen bei den Händlern stehen. Unser Reporter ging vorab schon einmal der Frage nach, wie sich ein so radikal gestyltes Bike im Alltag und auf großer Tour bewährt. Auf dem Weg von Stockholm zur Harley-Davidson SUPERRALLY 2009 in Seinäjoki, über den Polarkreis bis nach Norrtällje waren über 2.000 Kilometer 
Zeit, um eine Antwort zu finden...
Schon auf den ersten ­Metern durch Stockholm schnellen die Köpfe herum! Ob geparkt oder in Bewegung, mit der „Vision“ fällt man auf. Wie viel Hubraum, wie schwer, wie schnell? Doch was steckt alles unter dem glatten Plastikkleid? Bei der Einweisung durch das Team von Victory Skandinavien wird schnell klar: Dieses Bike ist komplett mit allem Tourenkomfort ausgestattet. Seine Heimat sind die US-Highways und da kann man Details wie Cruise Control, Radio und CB-Funk gut gebrauchen. Aber auch auf der schwedischen E 4 ziehen sich die Kilometer wie Kaugummi: Wald – See – Wald – Brücke – und zur Abwechslung mal wieder Wald. Da kommt ein bisschen „Home Entertainment“ gut: Harley-Fahrer kennen das von der „Ultra Classic“-Version der Electra-Glide, BMW LT- und Gold Wing-Rider sind ohnehin ­luxuriöse Ausstattungen gewohnt.

Victory legt mit der „Vision“ noch eins drauf: Statt einem CD-Player gibt’s einen iPod- oder Mobiltelefon-Anschluss im separaten Fach und selbst für den Transport im Trailer oder auf dem Fährschiff können eigene Halteösen in den Rahmen eingeschraubt werden. Hier haben sich die Entwickler richtig Gedanken gemacht und die Form mit trickreichen und innovativen Lösungen verbunden. Und sie haben mit echten Kilometerfressern gesprochen. 



Der erste Eindruck der Maschine ist gewaltig! Kaum zu glauben, aber das Bike wiegt fast 40 kg weniger als Harley’s E-Glide. Was man mit Gepäck relativ schnell auffüllen kann, denn die Packtaschen bieten trotz ihrer geschwungenen Form ziemlich viel Platz und ins Topcase passt mehr als nur ein Helm. Der Stauraum ragt hoch in den Himmel, sozusagen als Kontrapunkt der ebenso wuchtigen Verkleidung, hinter welcher sich der Fahrer komplett verstecken kann. Nimmt man auf dem groß­flächigen Sitz Platz, überrascht die relativ niedrige Sitzposition. Die Victory ist ein „Big Bike“, aber sie lässt sich auch vom „Befehlsstand“ problemlos bewegen. Die Sitzposition gleicht der im Fernsehsessel, mit dem ersten Druck auf den Starterknopf poltert der 106 Cubic-Inch-V-Twin los.

Das Triebwerks-Innen­leben ist akustisch deutlich zu vernehmen, auch wenn keine Vibrationen an den Fahrer ­gelangen: Weder Griffe noch Trittbretter lassen irgendwel­ches Kribbeln verspüren. Auch nach 650 Tageskilometern sitzt der Fahrer so entspannt im Sattel wie zu Beginn der Tour. Das Fahrwerk mit dem Aluminium-Gussrahmen ist eine gelungene Mischung aus Handlichkeit und Fahrstabilität: Bei verschiedenen Foto­stopps musste die Maschine auf kleinstem Raum gewendet werden. Über die High-Speed-Eigenschaften konnten wir wenig erfahren, sind doch in Schweden höchstens 120 km/h legal. So viel sei aber verraten: Auch bei 160 km/h läuft die Maschine exzellent geradeaus, selbst mit extremem Gepäck im Topcase, der ungünstig­sten Stelle für gewichtige Foto-Ausrüstungen. Der 106 Cubic-Incher (1.731 ccm) liefert trotz seiner Laufgeräusche eine beeindruckende Leistung, könnte aber zweifellos mehr als die gebotenen 92 PS vertragen.



Der 40° V-Motor hat eine ansprechende Optik und zudem reichlich Drehmoment. Der sechste Gang ist dennoch eher als „Overdrive“ anzusehen. Auf dem Weg um den Bottnischen Meerbusen und mit Abstechern zum Polarkreis und dem schwedischen Weltkultur-Erbe „Hege Kurst“ ­boten sich alle Arten von ­Straßen – von der zweispurigen Autobahn bis zur Schotterpiste. Schon nach kurzer Eingewöhnungszeit fühlt sich der Fahrer auf der Victory zu Hause und dreht den Gasgriff auch gerne mal über das an­gezeigte Speedlimit auf. Die Victory ist keine Kurvenfräse für Knieschleifer, lässt sich aber gerne und schnell über Seitenstraßen bewegen.

Selbst leichte Geländeeinsätze nimmt das Bike klaglos hin. Bei solcher Ausstattung verwundert die Abwesenheit eines ABS – aber die Modellpflege an dieser Maschine geht ja ständig weiter. Neben den Arlen Ness-Sondermodellen der Vision – Arlen ist ein bekennender „Vision“-Fan und -Fahrer – wird es weitere Verbesserungen in der Serie geben. 

Victory ist als Motorradmarke in den USA seit zwölf Jahren auf dem Markt und kommt nun auch nach Euro­pa. Mit der „Vision“ gelang in den USA der Durchbruch, die Amis stehen auf barocke Linien. Wie der 21.990 Euro kostende Design-Tourer in Deutschland ankommt, werden wir nach der Markteinführung im Oktober erfahren. Und Victory hat ja auch noch günstigere, nackte Cruiser im Programm. Nähere Informationen siehe www.victorymotorcycles.de          

Technische Daten Victory Vision



Kaufpreis: 21.990 Euro
Motor: Zweizylinder Viertakt-Motor, 40° V, luftgek.
Hubraum: 1731 ccm (106 cui)
Bohrung x Hub: 101 x 102 mm
Verdichtung: 9,4 : 1
Ventiltrieb: 4 Ventile/Zylinder, obenliegende Nockenwelle, -Kettensteuerung
Gemischaufbereitung: Elektronische Einspritzung
Kupplung: Mehrscheibenkupplung im Ölbad
Getriebe: 6-Gang mit Overdrive
Primärantrieb: Kette
Sekundärantrieb: Zahnriemen
Länge: 2.665 mm
Radstand: 1.670 mm
Bodenfreiheit: 148 mm
Sitzhöhe: 673 mm
Lenkkopfwinkel: 51 Grad
Nachlauf: 137 mm
Leergewicht: 325 Kilogramm
Tank / Reserve: 22,7 / 3,8 Liter
Vorderradaufhängung: Teleskop-Gabel
Hinteradaufhängung: Schwinge
Bremsen vorn: 300 mm Scheibe mit 3-Kolben Bremssattel
Bremsen hinten: 300 mm Scheibe mit 2-Kolben Bremssattel
Vorderrad: 18 x 3.0
Hinterrad: 16 x 5.0
Vorderreifen: 130/70 R18 Dunlop Elite 3
Hinterreifen: 180/60 R16 Dunlop Elite 3  
  Teilen
Stand:24 June 2019 11:25:28/test+_und_+technik/motorr%C3%A4der/victory+vision+-+fahrbericht_18315.html