BMW legt die Reiseenduro-Mittelklasse neu auf: die F 850 GS und F 750 GS gehen ab 2018 gemeinsam auf Kundenfang. Wie schon bei den Vorgängern teilen sich die beiden grundsätzlich den Antrieb. Die 750er stapelt also bei der Namensgebung in Sachen Hubraum tief.
Beginnen wir mit den Gemeinsamkeiten, im ersten Schritt mit dem Antrieb. Der Reihenzweizylinder bringt es jetzt auf 853 Kubik (vorher: 798). Für kernigen Sound hat er eine Kurbelwelle mit 90 Grad versetzten Hubzapfen sowie 270/450 Grad Zündabstand. Ein durchaus üblicher Weg einem Reihenmotor charakterlich in Richtung V2 zu bringen. Gleich zwei Ausgleichswellen sollen dem Twin die notwendigen Manieren beibringen. Beide Modelle kommen mit elektronischem Gasgriff, Anti-Hopping-Kupplung, zwei Fahrmodi (Rain und Road) sowie ABS und Traktionskontrolle (ASC – Automatic Stability Control). Die F 750 GS leistet 77 PS bei 7500 Umdrehungen und hat bei 6000 Umdrehungen das maximale Drehmoment von 83 Nm. Die F 850 GS legt da noch mal deutlich nach: 95 PS (8250) und 92 Nm (6250). Beide Motorräder sind auch gedrosselt mit 48 PS zu haben, das Drehmoment liegt dann bei 63 Nm.



Natürlich lässt sich die Ausstattung problemlos aufbohren. Das beginnt mit den Fahrmodi Pro, darin enthalten sind die Modi Dynamic und Enduro sowie die dynamische Traktionskontrolle (schräglagenoptimiert) und das ABS-Pro (Kurven-ABS). Der Fahrmodus Enduro Pro ist über einen Kodierstecker freischaltbar, ist aber der F 850 GS vorbehalten. Der Schaltassistent Pro ist dann wieder für 750er und 850er zu haben und ermöglicht Hoch- und Runterschalten ohne Kupplung.

In Sachen Fahrwerk hat sich ebenfalls viel geändert. Setzte man bei der Vorgängerin noch auf einen Gitterrohrrahmen, ist jetzt ein Brückenrahmen am Start. Damit rutscht der Tank an die gewohnte Stelle vor dem Fahrer, bisher war dieser unter der Sitzbank zu finden. Für beide Modelle ist das sehr empfehlenswerte Dynamic ESA optional erhältlich, die semiaktive elektronische Fahrwerkseinstellung wird über die Fahrmodi gesteuert. Das war es dann aber mit den Gemeinsamkeiten, denn wie beim Antrieb gehen die beiden Modelle auch beim Fahrwerk getrennte Wege zum Ziel.



Die F 750 GS ist weiterhin die gemäßigtere Reiseenduro mit niedrigerer Sitzposition im Programm. Vorn arbeitet eine 41-mm-Telegabel mit 151 Millimeter Federweg und einem 19-Zoll-Gussrad, an der Zweiarmschwinge hinten ist ein Zentralfederbein mit einstellbarer Federbasis und 177 Millimeter Federweg verbaut. Die Bereifung hat die Formate 110/90 R 19 (vorn) und 150/70 R17 (hinten). Bei Bedarf gibt es einen Tieferlegungssatz der Federwege auf 131 Millimeter vorn und 157 Millimeter hinten reduziert. Zusammen mit der niedrigen Sitzbank lässt sich die Sitzhöhe auf 770 Millimeter reduzieren. Im Standard liegt sie bei 815 Millimeter.

Die F 850 GS übernimmt mal wieder die Rolle des Offroaders im BMW-Programm. Vorn ist eine 43-mm-Upside-down-Gabel mit 204 Millimeter Federweg angebracht. Am Heck schluckt das in Vorspannung und Zugstufe einstellbare Zentralfederbein 219 Millimeter. Die Bereifung bestätigt mit einem 21-Zöller in der Abmessung 90/90 21 tatsächlich die Geländeambitionen, am Heck ist der übliche 150/70 R 17 angebracht. Optional ist die F 850 GS mit Stollenbereifung ohne Aufpreis bestellbar. Im Gegensatz zur Vorgängerin kommen schlauchlose Reifen zum Einsatz.



Wie üblich ist die Liste der aufpreispflichtigen Optionen recht lang. Los geht es bei kompletter LED-Beleuchtung inklusive Tagfahrlicht und hört bei dem Connectivity getauften Vollfarb-TFT-Display für die Integration von Navigation und Smartphone nicht auf: das Notrufsystem, die schlüssellose Zündung Keyless Ride, Navigation, Tempomat und Heizgriffe. Fast banal sind da unterschiedliche Gepäcksysteme, Sitzbänke, Windschilde oder der schnöde, aber doch wichtige Hauptständer.

Im Frühjahr 2018 sollen sowohl die F 750 GS als auch die F 850 GS beim Händler stehen. Preislich geht es mit der 750er bei 9.150 Euro los, die 850er ist ab 11.700 Euro zu haben.
 

TECHNISCHE DATEN BMW F 750 GS / F 850 GS

Preis: 9.150 Euro / 11.700 Euro
Motor: Wassergekühlter Zweizylinder-Viertaktreihenmotor, vier Ventile pro Zylinder
Hubraum: 853 ccm
Leistung: 77 PS (57 kW) bei 7.500/min / 95 PS (70 kW) bei 8.250/min
max. Drehmoment: 83 Nm bei 6.000/min / 92 Nm bei 6.250/min
Bohrung x Hub: 84 x 77 mm
Verdichtung: 12,7 : 1
Gemischaufbereitung: elektronische Einspritzung
Kupplung: Mehrscheiben im Ölbad, mechanisch betätigt, Anti-Hopping
Anzahl Gänge: Sechsganggetriebe
Endantrieb: Kette
Rahmen: Stahl-Brückenrahmen
Federung vorne: Telegabel 41 mm / Upside-Down-Gabel 43 mm
Federung hinten: Aluminium-Zweiarmschwinge, direkt angelenktes Zentralfederbein
Federweg vorne: 151 mm / 204 mm
Federweg hinten: 177 mm / 219 mm
Reifen vorne: 110/80 R19 / 90/90 21
Reifen hinten: 150/70 R17
Bremse vorne: Hydraulisch betätigte Doppelscheibenbremse 305 mm, Doppelkolben-Schwimmsattel
Bremse hinten: Hydraulisch betätigte Einscheibenbremse 265 mm, Einkolben-Schwimmsattel
Länge: 2.255 mm / 2.305 mm
Breite: 922 mm
Sitzhöhe: 815 mm / 860 mm
Radstand: 1.559 mm / 1.593 mm
Lenkkopfwinkel: 63 Grad / 62 Grad
Nachlauf: 104,5 mm / 126 mm
Leergewicht: 224 kg / 229 kg
Zulässiges Gesamtgewicht: 440 kg / 445 kg
Tankinhalt: 15 Liter
  Teilen
Stand:17 June 2019 20:48:50/test+_und_+technik/news/bmw+f+850+gs+und+f+750+gs+-+vorstellung_171103.html