Motorradtour Aragón und Navarra - Reisen wie die Könige

09.04.2014  |  Text: Dr. Ingrid Gloc-Hofmann  |   Bilder: Helmut Hofmann, Dr. Ingrid Gloc-Hofmann
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Motorradtour Aragón und Navarra - Reisen wie die Könige
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Wo einst mittelalterliche Herrscher durch ihre mächtigen Königreiche Aragón und Navarra ritten, locken heute fantastische Kurvenstraßen in eindrucksvollen Landschaften: die Bergregionen der Pyrenäen, bizarre Schluchten und Täler, blühende Weingärten und bezaubernde historische Ortschaften.

Schon der Anfang unserer Tour scheint nicht zu toppen zu sein. Nach gewohnt perfekter und geselliger Anreise mit dem DB Autozug geht unsere Fahrt durch Andorra und über die katalanischen Pyrenäen nach Aragón. Unser Blick schweift über die Sierra de Guara mit grünen Hügeln, Weingärten, Mandel- und Olivenbäumen, dahinter stehen die Gipfel der spanischen Pirineos.

Die Sierra de Guara zeigt sich als Traumlandschaft, durchfurcht von gigantischen Canyons, die senkrecht in die Tiefe ­hinabfallen und ein Natur- und Vogelparadies für Greifvögel bieten. Gespenstisch wirkt der Blick da hinab. Die kringeligen Landstraßen queren über schmale Brücken, die gerne „puente de diavolo“ – Teufelsbrücke – genannt werden. Und dazwischen tauchen zahlreiche kulturelle Köstlichkeiten auf wie das Bergstädtchen Alquézar mit seinem im­posanten Castillo oder das markante Monasterio de Torreciudad, das erhaben und unbezwingbar über dem azurblauen Stausee Embalse de Grado thront. Kein Verkehr weit und breit, dafür geniale Landstraßen, auf denen wir entlang grandioser Schluchten, Berghängen und faszinierender Felsformationen vorbei­fegen. Ein schmales Stichtal führt mitten hinein in die Sierra de Guara, wo sich Kurve an Kurve die Landstraße durch die Felsen hindurchschlängelt. Dann geht es nicht mehr weiter – außer zu Fuß, denn wir sind mitten in einem ­Paradies für Wanderer und Kletterer ­gelandet, in dem kleinen urtümlichen Bergnest Rodellar mit seinen holperigen Gassen und massiven Steinhäusern.

Teufelsbrücken führen über die Schlucht des Rio Esera

Auf unserem Weg zum Nationalpark Ordesa y Monte Perdido, dem absoluten Highlight der spanischen Pyrenäen, wählen wir die Schnellstraße ab Huesca nordwärts. Eine Toproute, flott und kurvig geht es bergauf zwischen karsti­gen Bergformationen, die kahlen Bergspitzen der Pyrenäen immer im Blick, um schließlich einzutauchen in die Schluchten und Täler des Nationalparks. Bergstädtchen mit steingemauer­ten und schiefergedeckten Häusern fügen sich ein und beleben die majestätische Pyrenäen-Szenerie. Besonders beeindruckend ist Torla auf über 1000 Metern Höhe, das unter den bedrohlichen Felshängen des Mondarruego liegt. An dessen Felswand entlang kurven wir die letzten Kilometer hinauf zum Valle de Ordesa, wo unterhalb des 3355 Meter hohen Monte Perdido die Fahrstraße ­endet und nur mehr Wanderern weiterer Zugang gewährt wird.

Auf unserer Fahrt durch die Ebene von Huesca sehen wir es schon von ­weitem, das Castillo de Loarre. Beeindruckend sieht es aus, wie es sich in der Höhe vor der Kulisse der Bergzüge erhebt. Seit dem Mittelalter fungierte es als Beobachtungsposten und garantierte den Königen von Aragón einen zweifelsfreien Überblick über das Geschehen in ihrem Territorium. Gespannt fahren wir darauf zu. Dann folgt die Auffahrt über weite Serpentinen. Nach einigen Höhen­metern schlägt plötzlich der Wind mit aller Kraft zu. Böen beuteln uns und wollen uns aus den Kurven hebeln. Auch oben beim Gang zur Burg meint es der Wind nicht gut mit uns. Aber es lohnt sich. Das Castillo ist eine Augenweide und der Ausblick großartig. Ruhiger wird es dann bei den Felsnadeln Mallos de Riglos. Der Fluss Gallégo hat sich hier beachtlich in die Landschaft ge­graben und eine tolle Szenerie geformt. Ich freue mich immer wieder über die spanischen Überlandstraßen mit flotten Kurvenabschnitten, auf denen man zügig vorankommt. Und langweilig wird es nie bei all der abwechslungsreichen und faszinierenden Umgebung.

Ein neuer Tag, eine neue Region. Wir erreichen das historische Städtchen Olite in Navarra. Das abendliche Spielchen kennen wir schon. Durch die Altstadtgassen schlendernd wechseln wir von Bar zu Bar, um uns die Zeit zu vertreiben, bis wir endlich um 21 Uhr, wenn die Stadt allmählich zum Leben erwacht, zum Abendessen einkehren dürfen. Torros und Stierkampf sind all­gegenwärtig und gehören zum gesellschaftlichen Leben. Verwirrend für uns ist die Sprache, denn neben dem Spanischen wird Baskisch gesprochen.

In Olite prunkt der Königspalast Palacio Real

Ganz außergewöhnlich reizvoll gibt sich die östliche Region Navarra, in der das historische Königreich weiterlebt. Die kulturellen Errungenschaften sind immens: Der Königspalast Palacio Real de Olite ist ein Prachtstück gotischer Baukunst, ebenso wie die Kirche des trutzigen Städtchens Ujué und das ­romantische Kloster Monasterio de la Oliva. Hier folgen wir der Ruta del vino, die sich entlang der Hügel und Täler der navarresischen Hochebene schlängelt. Dann der Kontrast: Immer karger und trockener gibt sich die Gegend, die Temperatur steigt erbarmungslos, bis wir in der menschenleeren, zerfurchten, wüsten­haften Mondlandschaft der Bardenas Reales landen. Nur mehr Schotterpisten durchziehen die weite Einsamkeit mit ihren sandigen Formationen.

Wieder bei angenehmen Temperatu­ren und grünen Hügeln angelangt, begeben wir uns auf eine Rundfahrt durch Orte, die für die spanische Geschichte von großer ­Bedeutung sind: Sangüesa, das Castillo de Javier und Sos del Rey Católico, der Geburtsort Ferdinands des Katholischen, der mit Königin Isabella die Christianisierung in Spanien zur Voll­endung brachte. Nicht ganz einfach gestalten sich einige Passagen durch die Ortschaften über steile, verwinkelte Gassen. An einer Ecke wird es brenzlig. Eng und scharf links soll es herum­gehen. Da bremsen mich zwei Hunde aus, sehen mich treuselig an, trollen sich aber, als ich das Gas aufdrehe. Nach dem Abbiegemanöver das nächste Hindernis: Mitten auf der Straße steht ein Transporter – das war Millimeterarbeit!

Einladend: Zwischen Aragón und Navarra betört der azurblaue Embalse de Yesa

Welch eine Weite erwartet uns dann am strahlend blauen Stausee Embalse de Yesa. Wir ziehen vorbei an skurrilen, tuff­artigen Felsgebilden und wechseln dann von der bizarren Szenerie hinauf in die Berge, in die Ausläufer der Pyrenäen, wo zwischen mit Pinien bestandenen Hügeln das beeindruckende Monasterio de Leyre steht. Tiefe Schluchten und Canyons durchfurchen die Landschaft. Es ist Sonntag und so wundert es nicht, dass zahlreiche Motorradfahrer, insbesondere die Knieschleiferfraktion, die grandiosen Kurvenstraßen entlangdüsen.

Ein äußerst überraschendes Erlebnis steht uns bevor, die Begegnung mit einer roten Ampel! Vollkommen aus dem Kon­zept gebracht, sehen wir uns verdutzt an. Erst da wird uns klar, dass wir so etwas seit zehn Tagen nicht mehr gesehen ­haben. Doch bald schon fahren wir aus der besiedelten navarresischen Ebene ­hinauf in den Parque natural del Moncayo. Wieder in Aragón, streifen wir auf über 1000 Höhenmetern durch aus­gedehnte Wälder, die für Schatten und angenehme Frische sorgen, während in den unteren Lagen bereits die Hitze brodelt. Vom hochgelegenen Monasterio de Veruela geht es auf einem einsamen Kurvensträßchen durch die Sierra de Nava Alta, dazwischen auf Hügeln platzierte Städtchen mit erhabenen Castillos wie Tierga und Illueca. Und dann das Highlight des Tages, das Tal des Río ­Jalón. Die Straße kringelt sich durch die schmale Schlucht, links und rechts er­heben sich die Felswände des Barranco und dazwischen verläuft auch noch die Bahnlinie, der man einige Tunneldurchfahrten und Brücken gegönnt hat.

In der Abendsonne peilen wir die Tore von Calatayud an, wo wir im legendären Meson de la Dolores absteigen, einem stattlichen Herrenhaus aus dem 15. Jahrhundert. Calatayud ist eine der bedeutendsten historischen Städte Aragóns. Sie wird von mächtigen Stadtmauern und mehreren Burgen, allen voran dem Castillo de Ayub aus dem 8. Jahrhundert bewacht. Die Befestigungsanlagen stammen aus muselmanischer Zeit, doch auch nach der Christianisierung 1120 unter Alfons I. dienten sie jahrhundertelang fortifikatorischen Zwecken. Innerhalb dieser Grenzen besteht die Altstadt aus einem Gewirr von Einbahnstraßen in engen Häuserschluch­ten, die uns anfangs einiges an Orientierungssinn abverlangen. Schmucke, farbenfroh angestrichene Fassaden beleben die schattigen Gassen. Ein südländisches Flair macht sich breit und mit all den Plätzen, einladenden Cafés und Promenaden erleben wir angenehm städtischen Charakter.

Blau erstrahlen die Häuser im historischen Calatayud

Südlich von Calatayud schlängelt sich der Río Jalón zwischen bräunlich kargen Hügeln. Wir folgen seinem Lauf, um schließlich ein saftig grünes Tal zu er­reichen, wo das Flusswasser im Embalse de la Tranquera aufgestaut ist. Was nun folgt, ist die für Zentralspanien typische Hochfläche. Eine immense Weite umgibt uns, ebenso eine träge Stille, die nur vom Knattern unserer Motorräder unterbrochen wird. Ausgedehnte Sonnenblumenfelder säumen das schnurgerade Asphaltband, am Horizont sind die Umrisse von Bergketten erkennbar. Nur hier und da beleben alte Städtchen diese be­sondere Stimmung. Daroca mit seinen ausgedehnten Stadtbefestigungen, den Mudejarkirchen und seinem Castillo ist besonders be­eindruckend. Dann wieder wechselt die Wildnis mit fruchtbaren Wein- und Olivengärten, die wie Oasen in die karge Landschaft eingebettet sind. 

Durch die Weite der von strengem Wind durchblasenen Pampa führt unser Weg weiter Richtung Süden, bis wir mit Montalbán und dem Tal des Río Martin die Gebirgszüge der historischen Region Maestrazgo erreichen. Ganz besondere Straßenverhältnisse erwarten uns hier. Auf den spektakulären Passagen und Ser­pentinenstrecken verwöhnen uns perfekte Trassen von nahezu schweizerischer Güte. Dann folgt vollkommen abrupt ein buckeliger Flickerlteppich, über den wir uns holpernd vorwärts kämpfen. Nichts­destotrotz, wir dringen weiter ins Herz einer mehr als beeindruckenden Land­schaft voll bizarrer Felsformationen vor. Unter uns liegen Felseinschnitte und Schluchten, dann folgen alte Städtchen wie Cantavieja, die ge­lassen auf erhabenen Felsplateaus thronen.

Stolz thront Cantavieja auf einem Felssattel in der historischen Landschaft Maestrazgo

Auch die Landschaft im Maestrazgo hat einiges an Abwechslung im Gepäck. Unsere Rundfahrt bringt es ans Tageslicht. Mehrmals geht es über Passstraßen auf Höhen bis 1700 Meter. Dort oben in einsamer Hochgebirgslandschaft lassen wir unsere Blicke schweifen über die Bergketten der Sierra de Gúdar, wo sich auf 2028 Metern ein Skigebiet und auf 1692 Metern Spaniens höchst gelegenes Dorf Valdelinares befindet. Dazwischen geht es stets hinab in fruchtbare Täler. Das Spiel des Auf und Ab lässt nicht nach, die Kurven nehmen kein Ende und die Straßenverhältnisse bieten die altbewährten Facetten von Buckelpiste bis Asphalt erster Sahne.

Von reicher Kulturlandschaft sprechen all die historischen Städtchen mit Castillos und prächtigen Palacios wie Alcalá de la Selva, Mora de Rubielos und Rubielos de Mora, wo uns ein freundlicher Tankwart stolz auf die Auszeichnung „Schöne Stadt“ hinweist. Dem Templerorden gehörte einst das Gebiet und noch heute scheinen die Orte in ­jener Zeit zu verharren. Es ist eng verbunden mit der Reconquista, der Rückeroberung des von Arabern besiedelten Landes durch die Christen. Auch nicht von ungefähr durchzieht es die nach El Cid, einem kastilischen Ritter des 11. Jahrhunderts benannte Route „Camino del Cid“, der wir auf langen Strecken folgen. Naheliegend auch, dass wir in dem bezaubernden Bergstädtchen La Iglesuela del Cid landen und uns in der noblen Casa Matutano-Daudén einquartieren. Die Hospedería gehört mit der Stadtkirche, dem alten Rathaus und dem mittelalterlichen Turm des von den Tempelrittern im 13. Jahrhundert erbau­ten Castillo de los Templarios zum Stadt­kern. Sechs prächtige Paläste und zahlreiche wohlhabende Stadthäuser zeugen von jahrhundertelangem Wohlstand. Die Produktion von Wolle und Textilien und deren Export bis nach Italien dürften einiges dazu beigetragen haben.

Steinplatten, die in Trockenbauweise zu Mauern verarbeitet werden

Eine Besonderheit nehmen wir zu Fuß in Augenschein. Der „sentiero de piedra seca“, ein Wanderweg, bringt uns vorbei an Steinmauern und aufgelassenen Anbauterrassen, die mit flachen Steinplatten in Trockenbauweise angelegt worden waren, eine in ländlichen Gebieten Spaniens häufig gepflegte Bauart. Das Material hierzu entdecken wir auf einer weiten Hochebene, wo die Platten gebrochen und dann in großen Quadern geschlichtet werden. Unendliche Stille umgibt uns, nur unterbrochen vom Rauschen des Windes und dem Schnaufen einer Pferdefamilie, die sich zu uns gesellt.

Calaceite im östlichen Aragón, ein herrlich verwinkeltes altes Bergstädtchen an der N 420, soll unser letzter Aufenthalt werden. Der spanische Traum-Highway mit seinen weiten Kurven, auf dem man richtig flott düsen kann und die Passage des Greenwich-Meridians ­haben uns hierher gebracht. An der Plaza de España oben am Hang stehen das Rathaus und prächtige Stadtpaläste mit Arkaden, die auch unseren zwei Motorrädern Schutz bieten. Am Abend wird es lebendig, die Leute flanieren durch die Gassen, Autos versperren sich auf dem begrenzten Raum den Platz und noch immer wundere ich mich, in welche Engstellen motorisierte Fahrzeuge in spanischen Orten vordringen. Eines der Häuser, die den Markt einfassen, ist das Hotel del Sitjar, ein herrschaftliches Haus von 1776. Im Eingangsbereich wandeln wir auf verglastem Boden und blicken hinab in riesengroße steingemauerte Bottiche, in denen früher Wein und Früchte aufbewahrt wurden. Ein köstliches Abendessen am Panoramafenster versüßt uns dann unseren letzten Abend in Spanien, bevor wir in unsere feudalen Betten schlüpfe.

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Stand:23 February 2020 15:11:01/reiseberichte/motorradtour+arag%C3%B3n+und+navarra+-+reisen+wie+die+koenige_174.html Warning: fopen(cache/6fb3f9c50f202d2ef787a0585584d29f.html): failed to open stream: No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 160 Warning: fputs() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 161 Warning: fclose() expects parameter 1 to be resource, boolean given in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 162 Warning: chmod(): No such file or directory in /var/www/vhosts/tools.huber-verlag.de/httpdocs/files/trunk/Bootstrap3/files/templates/index_template.inc on line 163